Montag, 31.03.2025

Céline, die Grosse

Céline Grossmann wollte schon immer an Kochwettbewerben teilnehmen. Nun hat Sie die renommierteste Meisterschaft für Kochlernende der Schweiz gewonnen. Die 19-jährige «gusto25»-Siegerin über Ihren Weg dorthin und darüber, wie es für Sie nun weitergeht.

Als Sie nach Ihrem «gusto»-Sieg allen dankten, zitterte Ihre Stimme.
Das war sehr emotional. Ich arbeitete lange auf diesen Moment hin und wurde von allen sehr unterstützt. Insbesondere von Marcel Schori, der bis letzten Herbst Sous-Chef in der Stiftung für Betagte in Münsingen war, wo ich arbeite, und mich auch danach begleitete. Aber auch von meiner Familie und meinem Berufsschullehrer Erwin Mumenthaler, bei dem bereits «gusto05»-Sieger Lorenz Wegelin zur Schule ging.

Wie oft übten Sie das Sieger-Menü?
Ich kochte alles siebenmal durch. Das war aber nur ein Teil der Vorbereitung. Schon das Kreieren der Hauptspeise letztes Jahr war aufwändig. Ebenso das Ausarbeiten des detaillierten Ablaufplans. Das hat sich aber gelohnt: Ich hörte nach dem Wettkochen von vielen Leuten, dass sie von meiner Organisation und dem durchgehend sauberen Arbeitsplatz beeindruckt waren.

Der Jurypräsident lobte Ihren Hauptgang bei der Preisverleihung als «multisensorische Darbietung».
Die Worte von Yanick Mumenthaler freuten mich sehr. Es war das erste Mal, dass er sich zu meinen Gerichten äusserte. Er arbeitet zwar in meinem Ausbildungsbetrieb, machte aber von Beginn an klar, dass er sich komplett aus meiner Bewerbung raushält.

Sie absolvierten vor Ihrer Lehre mehrere Praktika. Wie kam es dazu?
Bei der Stiftung für Betagte in Münsingen gab es erst ein Jahr nach meinem Schulabschluss eine Stelle. Deshalb nutzte ich diese Zeit, um mehr über die Produkte zu erfahren, mit denen ich nun koche. So arbeitete ich einige Monate in einer Käserei, in einer Metzgerei, auf einem Bauernhof und durfte sogar Patissier Rolf Mürner und Naturkoch Stefan Wiesner begleiten. Dieses Zwischenjahr trug sehr zu meiner Wertschätzung für unsere regionalen Produkte bei.

Wieso wollten Sie unbedingt in die Heimgastronomie?
Mir waren geregelte Arbeitszeiten wichtig, auch weil ich schon immer an Kochwettbewerben teilnehmen wollte. Ausserdem macht es riesig Spass, den Bewohnenden Freude zu bereiten. Natürlich mögen sie lieber traditionelle als ausgefallene Gerichte. Der Geschmack steht aber genauso im Zentrum. Das ist auch für mich das Wichtigste in der Küche. Und die Bewohnenden freuen sich ebenfalls über kreative Dekorationen oder selbst gemachtes Kräuteröl.

Sie haben auch schon den Hug Creative Tartelettes Contest gewonnen und sind Mitglied der Junioren-Kochnationalmannschaft. Wieso auch noch «gusto»?
Ich bin ein sehr kompetitiver Mensch und «gusto» ist der renommierteste Wettbewerb für Kochlernende in der Schweiz. Und als ich vor zwei Jahren im Live-Stream sah, wie Angela Künzler gewann, wusste ich, dass ich auch auf dieser Bühne stehen will.

Was hat Ihnen die Teilnahme Rückblickend gebracht?
Ich hatte eine super Zeit. Zwar brachte mich die intensive Vorbereitung auch an meine Grenzen, aber ich lernte, für meine Ziele durchzubeissen. Und ich lernte enorm viele Leute kennen, darunter meine fünf Mitfinalisten. Wir haben schon abgemacht, dass wir bald Mitfinalist Tiziano Palazzo in Zermatt besuchen.

Im Sommer schliessen Sie Ihre Ausbildung ab. Was kommt danach?
Ab August will ich meine Leidenschaft in ein eigenes Catering investieren, auch wenn das etwas Mut braucht. Daneben ergibt sich vielleicht noch das eine oder andere Praktikum. Mich reizt die Haute Cuisine verbunden mit Natürlichkeit, so wie sie Stefan Wiesner oder Daniel Humm mit seiner veganen Küche praktizieren. Und im Winter könnte ich meinen «gusto»-Preis in Singapur einlösen. Vielleicht geht es dann direkt weiter nach Malaysia zu einem pensionierten Koch-Freund. Mir wird sicher nicht langweilig.

«Die intensive Vorbereitung brachte mich auch an meine Grenzen.»

 

STECKBRIEF
Céline Grossmann lässt sich bei Ihrer Arbeit in der Stiftung für Betagte in Münsingen BE am liebsten von der asiatischen Küche inspirieren. Zuhause wiederum liebt Sie «Quer-durch-den-Kühlschrank»- Gerichte. Ihre Vorbilder sind Köche wie Evan Funke oder Daniel Humm. «Sie üben ihren Beruf mit viel Passion aus», so Céline Grossmann.

 

«gusto»
«gusto» ist die Schweizer Meisterschaft für Kochlernende im 2. und 3. Lehrjahr, organisiert von Transgourmet/Prodega, unter dem Patronat des Schweizer Kochverbandes. Unterstützt wird der Anlass von Presenting Partner Schweizer Fleisch, den Leading Partnern Bell, Emmi, Hügli, Kadi, Valser und zahlreichen weiteren Sponsoren. Die Ausschreibung für «gusto26» startet im August 2025.

 

Text: Thomas Bürgisser
Foto: Transgourmet/Prodega